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Das 1. Mal (Iihh! Pfui! Bäh!)

Ist die Überschrift wieder nur ein Teaser und in Wirklichkeit geht um das Kochen der ersten Tütensuppe?

Nein, tatsächlich nicht (obwohl in dem Fall Iihh! Pfui! Bäh! auch zutreffen würde ;) )

 

Hier geht es um DAS Thema: der (erste) Analverkehr; in diesem Fall in (gay romance) Büchern/Geschichten.

 

Ich lese ja recht viel und hauptsächlich gay (immer wieder nehme ich mir vor, mal eine Leseliste zu führen, aber das scheitert leider ständig daran, dass ich vergesse, mir die Bücher zu notieren, die ich lese. Jetzt hab ich’s mir mal wieder vorgenommen - schauen wir mal … ;)).

Und wie es nun mal so ist, ist Analverkehr in solchen Büchern ja nun nichts Ungewöhnliches. So weit, so gut.

Es gibt Bücher, in denen ist es auf eine Art beschrieben, dass ich (unbewusst) denke: »Ja, passt.«

Aber…

Aber es gibt leider auch (viele) Bücher, in denen ich meist an genau solchen Szenen steckenbleibe und mich frage, ob der Autor/die Autorin schon mal jemals in seinem/ihrem Leben selbst Analverkehr hatte.

 

Ja, ich weiß, man muss nicht in einer Bratpfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben [Zitat von Alexej Maximowitsch Peschkow, russischer Erzähler und Dramatiker, 1868-1936].

 

Gewiss kann man vieles durch Vorstellungsvermögen und/oder Recherche wettmachen, aber wenn ich dann Sätze lese wie »Beim ersten Mal tut es nun mal weh, daran kann man nichts ändern. Da muss man durch.« könnte ich regelmäßig meinen Kindle an die Wand pfeffern, denn DAS IST SCHWACHSINN!

Ja, beim ersten Mal ist es sicher ungewohnt, wenn nicht sogar unangenehm. Man muss lernen, Teile seines Körpers zu entspannen, denen man vorher zumindest in dieser Hinsicht nie so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat. Und natürlich kann es auch durchaus schmerzen, wenn zum ersten Mal was eindringt, wo bisher nur Dinge herauskamen (von den unsäglichen Zäpfchen in der Kindheit mal abgesehen …). Und wenn beide Beteiligten unerfahren sind, will ich ebenfalls nicht ausschließen, dass es im Eifer des Gefechts und bei ungenügender Vorbereitung auch wehtun kann/wird.

Aber wenn es dann Szenen sind, in denen der eine total erfahren ist und der andere eine anale Jungfrau, dann muss ich sagen: Wenn der Empfangende hierbei höllische Schmerzen hat, am besten noch heult, dann ist der Top einfach nur ein unsensibles Arschloch. Punkt.

Hinzu kommen dann häufig Sätze wie »Wenn der Schmerz vorbei ist, wird es ganz toll.«

Also, ich kann nur von mir sprechen. Ich bin kein Masochist und wenn mir etwas heftige Schmerzen bereitet, höre ich damit auf; und zwar sofort. Das ist nicht nur ein natürlicher Reflex, sondern auch wichtig, so als Überlebensinstinkt. Ich warte nicht erst noch qualvolle Minuten (die sich dann sicher wie Stunden anfühlen), ob der Schmerz vergeht oder sich vielleicht doch noch die vielumworbene alles überscheinende Lust einstellt. Mir würde da alles vergehen.

Außerdem: Warum sollte es erst schmerzen und später nicht mehr?

Klar, weil man sich stärker entspannt (oder vielleicht vor Schmerzen in Ohnmacht gefallen ist …), okay, aber häufig liest es sich eher wie sich viele eine vaginale Entjungferung vorstellen (oder evtl. auch erlebt haben): Ziehender, stechender Schmerz (weil Jungferhäutchen durchstoßen und so – hier dann analog der (erste) Muskelring) und dann ist alles toll, am besten noch gefolgt vom Orgasmus ausgelöst durch Stimulation der Prostata. Willkommen zur Märchenstunde.

Es geht noch besser (bzw. schlimmer)

Eine Steigerung sind noch die Geschichten, in denen der »Bottom« JEDES MAL anfangs Schmerzen hat (alternativ ein Ziehen verspürt) und trotzdem immer wieder durchhält, bis es ach so toll wird.

Nee, sorry. Vielleicht ist man selbst und der Partner anfangs unerfahren, was Analverkehr angeht. Da kann es sein, dass das erste Mal (und vielleicht auch das zweite, dritte …) nicht ganz so berauschend ist, aber wenn ich dann merke: nee, das wird nichts, mach ich das doch nicht mehr. Warum denn? Um meinen Partner zufriedenzustellen? Sollte der nicht wollen, dass es mir ebenso (die ganze Zeit) Spaß macht?

Leider habe ich bei solchen Büchern/Geschichten dann den Eindruck, hier hat jemand das geschrieben, was man so oft liest. Dann wird es schon stimmen. Aber: Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln. [Zitat von Jean, Cocteau; französischer Dichter, Maler und Filregisseur; 1889-1963].

Wenn schon, dann bitte realistisch

Wie gesagt, ich will solche Szenen nicht komplett ausschließen. Wenn beide (oder einer) unerfahren/nervös sind (ist), wenn der »Top« rücksichtslos und egoistisch oder einfach nur wenig empathisch ist, wenn der »Bottom« stark sein will/es dem anderen recht machen will/einfach nur gehört/gelesen hat, dass es nun mal so ist und diese Dinge klar dargestellt werden, sind solche Szenen auch realistisch.

Ansonsten sollte es heißen: Erfahrung, Entspannung, Einfühlungsvermögen und viel (viel, viel !) Gleitgel und dazu kein (zeitlicher) Druck, dann wird es auch beim ersten (und jedem weiteren) analen Mal nicht schmerzen, als erlebe man eine Sturzgeburt von Drillingen.

Mir haben solche Szenen tatsächlich leider schon manches ansonsten gute Buch verleidet. Zwar lese ich meist trotzdem zu Ende, doch häufig bricht der Elan dann ein wenig weg. Vermutlich weil ich unbewusst dann denke: Wenn der Autor/die Autorin dabei schon so realitätsfern ist, wie sieht es denn bei anderen Fakten/Themen aus?

Wie seht ihr das? Findet ihr solche Darstellungen ebenfalls unrealistisch? (Oder bin ich da einfach nur zu empfindlich? ;) ) Lest ihr darüber hinweg? Oder seid ihr der Meinung, die Realität wird gut widergespiegelt? (Und die Sitala ist die, die fernab der Realität lebt?)

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Kommentare: 4
  • #1

    Marie (Mittwoch, 20 Mai 2020 13:47)

    Ich hatte schon öfters ganz ähnliche Gedanken.. auch die Verwechslung mit dem Jungfernhäutchen ging mir durch den Sinn :D
    Mich stört es, ebenso wie die oft zitierten drei Finger zum dehnen.
    Meist lese ich weiter, aber der "schale Geschmack" bleibt.

  • #2

    Sitala (Mittwoch, 20 Mai 2020 14:29)

    Hallo Marie!
    Danke für deinen Kommentar :).

    Stimmt, die drei Finger … auch so eine Sache, die mal eben so hingeschrieben ist. Aber man sollte sich so eine Hand eines erwachsenen Mannes mal ansehen. Und drei Finger davon übersteigen in den meisten Fällen die Ausmaße dessen, was eingeführt werden soll.
    Keine Frage, es gibt sicher genügend Kerle (und auch Frauen), die auf diese "Fülle" stehen. aber mit drei Männerfingern vordehen und dann am besten noch immer Probleme beim Eindringen haben, weil der Schwanz dann doch so groß ist - nun ja …
    Getoppt wird das Ganze meiner Meinung nach dann noch, wenn der "Bottom" genau spürt, wie viele Finger, da gerade in ihn eingeführt werden, oder welcher Finger genau (Zeigefinger, Mittelfinger …).
    LG, Sitala

  • #3

    Minelle Chevalier (Donnerstag, 21 Mai 2020 15:29)

    Ja, das kann ich nur so unterschreiben und nicht nur bei dem Thema Analverkehr. Mich beschleicht oft das Gefühl, dass bei Sexszenen allgemein einfach das geschrieben wird, was man selbst allzu oft gelesen hat. Wird schon stimmen, wenn es so viele schreiben, oder?
    Das mit den Fingern irritiert mich auch regelmäßig. Aber ich bin ganz ehrlich: Die meisten Sexszenen in Romanen überlese ich und selbst schreibe ich kaum welche, weil der Fokus in meinen Büchern ganz woanders liegt.

  • #4

    Sitala (Donnerstag, 21 Mai 2020 18:38)

    Hallo Minelle!
    Ja, viele Sexszenen ähneln sich doch ziemlich. Klar, man kann argumentieren, dass der grundsätzliche Ablauf nun einmal recht ähnlich abläuft, aber muss man dem Leser deswegen die immergleiche lauwarme Suppe vorsetzen? Ich will nicht ausschließen, dass ich mich nicht auch (unbewusst) Klischees bediene, aber ich versuche zumindest, sie weitestgehend zu vermeiden.
    Ich überlese Sexszenen zwar nicht (sonst hätte ich mir wohl auch nicht diese Gedanken gemacht ;) ), aber die wenigsten hauen mich wirklich vom Hocker. Ich selbst schreibe durchaus Sexszenen, allerdings versuche ich sie nur dann einzubringen, wenn sie für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtig sind.