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Endlich! Das Gesetz gegen »Homo-Heiler«!

 

 

 

 

Eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes schreiben. Und dann kam tagespolitisches Geschehen daher …

 

Kaum zu glauben, aber wahr: Der Bundestag hat tatsächlich gestern ein »Gesetz zum Schutz vor Konversionstherapien« verabschiedet.

Wow! Klingt erst einmal klasse. Zumal Deutschland damit (nach Malta) das 2. Land in der EU überhaupt ist, das ein derartiges Gesetz beschließt.

Als ich gestern davon hörte, war ich zuerst euphorisch, gleich darauf wieder niedergeschlagen, als ich all die niederschmetternden Kommentare und Argumente dazu las. Schließlich habe ich mir den Originaltext zu Gemüte geführt, um mir ein eigenes Bild zu machen.

Bisher gibt es nur den Entwurf (hier als PDF), über den abgestimmt wurde, zu lesen und im ersten Moment liest der sich richtig gut.

 

Darin heißt es u.a.: »Es ist untersagt, eine Konversionsbehandlung an einer Person durchzuführen, die unter 18 Jahre alt ist.« [§2, Abs. 1; S. 7 des o.a. PDF]

Außerdem gilt es auch für »Volljährige, deren Einwilligung auf einem Willensmangel« (z.B. Zwang, Drohung, Täuschung, Irrtum) beruht. [§2, Abs. 2]

 

Das liest sich gut, wirklich. Und ich will dieses Gesetz in seiner Grundform auch nicht kleinreden, schließlich ist es besser als vorher, als es gar keine Regelungen gab.

Dennoch gibt es ein Aber (eigentlich zwei):

Aber …

Es gilt nur für Minderjährige bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.

Das heißt im Umkehrschluss auch, dass der Schutz endet, sobald man 18 wird. Wird man dann von Eltern, der Familie oder sonst wem unter Druck gesetzt, solch eine »Therapie« vorgeblich freiwillig durchzuführen, kann dem selbsternannten »Heiler« keiner was. Schließlich kann er ja immer vorgeben, von der Nötigung nichts gewusst zu haben.

Es können also maximal die belangt werden, die genötigt haben. Wo wir vor dem Problem stehen: Wer verklagt denn seine Eltern (oder andere einem nahestehende Personen)? Natürlich gibt es so etwas in anderen Bereichen auch jetzt schon. Aber mal ehrlich, wenn es schon so weit ist, lebt man wohl auch kaum mehr in einer solchen Abhängigkeit von denen, dass sie einen drängen können.

 

Sicherlich ist die Realität diffiziler, aber es wäre wünschenswert gewesen, solche »Therapien« durch selbsternannte »Homo-Heiler« einfach generell zu verbieten.

Denn was keine Krankheit ist, bedarf auch keiner Therapie.

Alternativ wäre es zumindest gut gewesen, das Schutzalter einfach noch höher anzusetzen (wie von einigen Fraktionen ja auch gefordert wurde), sodass der mögliche Abhängigkeitsfaktor mit gerade erreichter Volljährigkeit weitestgehend wegfällt.

 

Dazu kommt, dass in der Begründung zum Gesetz – zumindest in der momentanen Fassung des abgestimmten Entwurfs – u.a folgender Passus zu finden ist: [S. 12 des o.a. PDF]

»Die Verbote gelten für alle Personen, sowohl für Angehörige von Heilberufen als auch für andere Personenkreise. Bei Fürsorge- oder Erziehungsberechtigten ist die Strafbarkeit begrenzt auf Fälle der gröblichen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht.«

Dieser letzte Satz impliziert, dass eine »Behandlung« durch Eltern o.ä. erlaubt ist, solange es die Fürsorgepflicht nicht »gröblich verletzt« (wobei diese Begrifflichkeit nicht näher definiert wird).

 

Ein paar Seiten weiter heißt es im Begründungstext allerdings auch [S. 16 des o.a. PDF]:

»Das Verbot von Konversionsbehandlungen gilt grundsätzlich auch für die Eltern und andere Fürsorge- oder Erziehungsberechtigte.« (Damit sind z.B. »Behandler innerhalb von Glaubensgemeinschaften« gemeint.)

Es geht immer »besser«

Bleibt also abzuwarten, ob der endgültige Gesetzestext keinen Raum mehr für Interpretationen lässt oder andernfalls schnell Änderungen beschlossen werden.

 

Ich verstehe, dass es viele Stimmen gibt, die sagen, das Gesetz gehe nicht weit genug und natürlich besteht die Gefahr, dass es vorerst nicht weiter geändert wird (gerade zu den aktuellen Zeiten, in denen es gefühlt sowieso nur noch ein Thema gibt).

Aber man muss auch immer bedenken: So ein Gesetz ist nicht in Stein gemeißelt. Es schützt in der jetzigen Form zumindest schon mal den in diesem Fall bedürftigsten Teil der Bevölkerung. Nachjustierungen sind möglich und werden auch hoffentlich erfolgen.

 

Auch Argumente wie Die machen doch eh weiter, ob Gesetz oder nicht. verstehe ich vollkommen. Doch man sollte immer auch bedenken, dass kein Stück Papier (Gesetz) einen Menschen davon abhält, gegen Verbote zu verstoßen, egal gegen welches.

Denn seien wir doch mal ehrlich: Jeder von uns ist schon mal bei Rot über eine Ampel gegangen und das, obwohl wir wissen, dass es verboten ist. Immer mit dem Wissen im Hinterkopf (ob nun bewusst oder unbewusst), dass es Konsequenzen haben kann, sollten wir erwischt werden.

 

Es wird eben immer Menschen geben, die sich an (fast) alle Gesetze und Regelungen halten und leider auch solche, die dies nicht tun, weil sie denken, sie könnten sich die aussuchen, die ihnen gefallen bzw. die ihnen selbst nutzen. Nur funktioniert unser Rechtsstaat nicht so. Und genau für solche Personen sind derartige Gesetze gedacht, damit die Justiz überhaupt eine Handhabe hat.

 

 

Ich hoffe ja sehr, dass wir eines Tages so weit sind, dass diese Art von »Therapien« generell verboten sind, egal ob sie an Minderjährigen oder Erwachsenen durchgeführt werden und dass ich dann guten Gewissens und voller Freude zu meinem Kurzroman »Der Weg in die Freiheit« sagen kann: Ja, früher war das mal so, aber zum Glück sind die Zeiten vorbei.

 

Denn (und an dieser Stelle wiederhole ich mich gern):

 

Was keine Krankheit ist, bedarf auch keiner Therapie. Punkt.

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