· 

Hilfe, eine Idee!

oder: Wie ich mit Plotbunny-Überfällen umgehe

Jeder Autor kennt sie - die berühmt-berüchtigten Plotbunnys. So niedlich sie klingen, so hinterhältig können sie sein: Ideen(fetzen), die einen hinterrücks anspringen und offenbar nie wieder loslassen wollen. Zumindest so lange, bis man sich ihnen mit seiner vollen Aufmerksamkeit widmet.

 

Aber es ist doch gut, Ideen zu haben.

 

Grundsätzlich: ja. Ideenlosigkeit wäre sicher die schlimmere Alternative, dennoch habe ich die Erfahrung gemacht (und ich bin mir sehr sicher, nicht die Einzige zu sein ;) ), dass viele Plotbunnys die Angewohnheit haben, genau dann aufzutauchen, wenn ich sie nicht gebrauchen kann. Sei es, dass ich gerade an einem ganz anderen Buch schreibe, welches ich endlich beenden möchte oder ich mich sowieso schon nicht entscheiden kann, welche meiner unzähligen Ideen ich jetzt stärker verfolge oder ich einfach aufgrund anderer Dinge (Hauptberuf, Familie, etc.) gar keine Zeit habe, mich darum zu kümmern.

 

Auf in den Kampf …

Ich habe im Laufe der letzten Jahre verschiedene Phasen bezüglich Plotbunnys durchgemacht (und hab auch jetzt noch keine hundertprozentig feste Marschroute).

Gelernt habe ich Folgendes: Das Schlimmste, was man machen kann, ist dem Viech nachzugeben, das aktuelle Projekt liegen zu lassen und mit dem neuen zu beginnen.

 

Warum ist das schlimm?

 

Okay, das ist vielleicht etwas drastisch formuliert, denn es gab durchaus auch schon Kurzgeschichten, die aus solchen Spontanideen entstanden sind und die mir viel Spaß gemacht haben. Doch meist sieht es dann doch so aus: Ich lasse die aktuelle Geschichte ruhen, widme mich der neuen, schreibe begeistert drauf los … tja, und dann hüpft der nächste fiese Artgenosse hervor und der ganze Ablauf wiederholt sich.

Das bewirkt eine beachtliche Anzahl angefangener Geschichten, die (zumindest virtuell) auf der Festplatte vergammeln. Das schlechte Gewissen nagt zusätzlich an mir.

 

Deshalb liest man immer wieder den Ratschlag: Notier dir die Idee und mach dann mit deinem aktuellen Projekt weiter.

 

Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden und auch ich verfahre mittlerweile (meistens …) so. Diese Vorgehensweise birgt allerdings das Risiko, dass das Feuer für diese Idee wieder erloschen ist, wenn ich dahin zurückgehe, sobald ich die Zeit dafür finde. Natürlich ist das Argument nicht von der Hand zu weisen, dass es dann wohl keine bahnbrechende Idee war. Doch ich denke nicht, dass dies immer zutrifft. Häufig ist so etwas auch (tages)stimmungsabhängig und manchmal schafft man es, eine Laune hinüberzuretten und manchmal nicht.

 

Wie gehe ich also mit diesen raffzähnigen Plüschmonstern um?

Mittlerweile habe ich eine Methode entwickelt, die beide Ansätze (sich intensiv mit der neuen Idee beschäftigen einerseits und notieren & vergessen andererseits) in gewisser Weise vereint:

Wenn ich an einem Projekt arbeite, dann bleibe ich dabei. Tagsüber (bzw. dann, wenn ich die Zeit dazu habe) schreibe/bearbeite ich die aktuelle Geschichte.

Abends im Bett lese ich immer (mal mehr mal weniger und nie eigene Geschichten). Das ist seit Jahren ein Ritual bei mir.

Vor ein paar Monaten begann ich mir anzugewöhnen, beim Einschlafen (also nachdem ich meinen e-Reader weggelegt habe) über eine der anderen Ideen nachzudenken. Ich lasse sie wie einen Film nach und nach vor meinem geistigen Auge ablaufen. Meist gibt es erst eine Art Schnelldurchlauf (ein »Was bisher geschah« nur für mich) und dann überlege ich mir, was als nächstes passieren könnte, damit die Geschichte spannend bleibt. Dabei muss ich auch nicht chronologisch vorgehen. Es ist ja nur eine Spielerei vor dem Einschlafen. Dennoch verfestigen sich dabei Ideen und vor allem auch die Figuren, weshalb ich immer sicherer werde.

 

Zugegeben, es gibt Abende, an denen schaffe ich es gerade mal, mich an die letzte Szene zu erinnern und bin dann schon eingeschlafen. Aber das ist nicht schlimm. Denn es ist ja nicht aktuell und auch nur zu meinem eigenen Vergnügen.

Das Gute daran ist, wenn ich mein »Tagesprojekt« irgendwann einmal beendet habe, kann ich mich nahezu nahtlos an mein »Einschlafprojekt« setzen und mir die nächste Idee für abends heraussuchen; so sieht zumindest der Plan aus. Natürlich klappt es nicht immer und gerade in intensiven Phasen melden sich auch eher die aktuellen Herren abends, aber auch das ist ja durchaus in Ordnung.

Das könnte dich auch interessieren

Kommentar schreiben

Kommentare: 0