Leseprobe: »Abgedreht - Das Leben ist (k)eine Seifenoper«

1

 

»Noch mal das Gleiche.«

»Schätzchen, du hast allmählich genug, nicht wahr?«

Wie sehr ich dieses süffisant grinsende Gesicht hasse. »Wer bist du? Meine Mutter?«

Ein theatralischer Seufzer erklingt zur Antwort.

»Und von einer alternden Transe lasse ich mir schon gar nichts sagen, Ingo.« Demonstrativ schiebe ich das leere Whis­kyglas in ihre – oder besser gesagt: seine – Richtung.

Ingo ringt heftig mit sich. Das erkenne ich selbst mit 1,4 Promille oder wie viel man nach fünf doppelten Whiskys auch immer im Blut hat. Er hasst es, bei seinem männlichen Namen genannt zu werden, wenn er in diesem Outfit herumläuft. Zugegeben, so alt ist er gar nicht und er sieht dazu noch locker zehn Jahre jünger aus. Wäre er nicht mein bester Freund, würde ich ihn dafür hassen.

»Schätzchen …« Ingo beugt sich über den Tresen. Seine Stimme trieft vor übertriebener Freundlichkeit. »Wenn du nicht schon sturzbesoffen wärst und dazu so deprimiert, wie ich dich noch nie erlebt habe, würde ich dich umgehend von Boris rausschmeißen lassen. Und du weißt, was das heißt.«

Weiß ich. Boris wirft ungebetene Gäste nicht einfach nur hinaus. Nein, er wischt mit ihnen den Boden und den Bürgersteig bis zum nächsten U-Bahnhof auf. Dabei ist er der liebste Mensch der Welt. Also, außerhalb dieser Tätigkeit.

Ich zucke mit den Schultern. »Wäre schätzungsweise spa­ßiger als das, was mich bald erwartet. Mein Leben ist am Ende. Die lassen mich einfach sterben, verstehst du?« Ich schnipse vor Ingos Gesicht. Zumindest versuche ich es. Viel mehr als ein Aneinanderreiben von Daumen und Mittelfinger bringe ich nicht zustande. »Das ist der Dank. Ohne mich wären die nichts. Ich habe sie groß gemacht. Hätten sie damals mich und meine Fähigkeiten nicht gehabt, wäre diese dämliche Serie bereits nach zwanzig Folgen wieder eingestampft worden. Ohne mich wären die jetzt alle arbeitslose Penner. Ich habe …«

Ingo knallt ein Glas geräuschvoll auf den Tresen.

»Kannst du auch mal 'ne andere Leier auflegen?«, fragt er genervt, wobei er seine weibliche Stimme abgelegt hat. »Wir wissen, dass du der große Pete Sander bist.«

»Wer ist ›wir‹?« Redet er von sich jetzt schon in der Mehrzahl?

Ingo macht eine ausladende Geste in den Raum hinein. Ich drehe mich halb und kralle mich an der Theke fest.

»Na, alle. Jacqueline, Chantal, Gideon …« Er deutet auf eine Gruppe von Stammgästen. »… die beiden Typen dahinten, die noch überlegen, wie lange sie noch so tun müssen, als ob sie sich unterhalten, damit es nicht auffällt, dass sie gemeinsam verschwinden, der Schnuckel am anderen Ende des Tresens …«

Mein Blick verfolgt mehr oder weniger fokussiert Ingos Handbewegung. Alle starren mich an. Ihre Gesichter verkommen zu Fratzen. Was wissen die schon?

»Sieh es als Chance für einen Neuanfang«, schlägt Ingo vor, doch ich winke ab.

»Meine Karriere ist am Ende. Und damit auch mein Leben. Oder umgekehrt. Ist doch alles das Gleiche.«

Der Barhocker fällt polternd um, als ich ein wenig zu hastig aufspringe. Die Typen, die sich immer noch nicht zum Vögeln verzogen haben, lachen leise. Ja, amüsiert euch nur. Auch euer Stündchen wird einmal schlagen. Ich atme tief durch, sammle mich und gehe anmutig einen Schritt zur Seite.

Warum liege ich denn plötzlich in den Armen des Schnuckels? War der nicht eben noch mindestens zehn Meter weg? Oder fünf?

»Wie lang ist der Tresen?«, frage ich Ingo, erhalte jedoch keine Antwort. Dafür sieht er mich erschrocken an.

»Geht's?«, fragt Schnuckel besorgt. Was ist hier eigentlich los?

Schnuckel sieht demonstrativ nach unten zu meinen Füßen. Ich folge seinem Blick. Holla, seit wann hat die Bar eine Karussellfunktion? Ah, mein rechter Fuß hat sich im umgefallenen Barhocker verhakt. Das erklärt meine Situation. Räuspernd stelle ich mich aufrecht hin und hebe demonstrativ langsam meinen Fuß aus seinem Gefängnis.

»Kannst loslassen, Junge.« Dessen Blick verfinstert sich augenblicklich. Was hat er denn? Soll er doch froh sein, dass er noch so jung und frisch ist. Was gäbe ich dafür, noch einmal zwanzig zu sein?

Träge drehe ich mich um und warte, bis ich den Weg zur Tür einigermaßen klar erkennen kann. Konzentriert presse ich die Lippen aufeinander und setze bewusst einen Fuß vor den anderen.

»He! Hast du nicht was vergessen?«, ruft Ingo.

»Schreib's an«, erwidere ich, ohne mich umzudrehen. Er soll sich nicht so anstellen. Schließlich weiß er, dass ich bezahle. Boris hält mir grinsend die Tür auf. Gleich darauf heiße ich die kalte Nachtluft willkommen. Tief atme ich ein. Ein Kratzen breitet sich in meinem Hals aus und bewirkt im nächsten Augenblick einen heftigen Hustenreiz. Verdammt, ist das kalt. Dabei haben wir gerade mal Anfang September. Ich schlinge die Arme um mich, will die Jacke enger ziehen und registriere, dass ich gar keine trage. Mist, ich hab sie drinnen vergessen. Ich drehe mich um, gehe auf die Tür zu und ein lauter Knall ist das Letzte, was ich vorerst wahrnehme.

2

 

Mein Schädel dröhnt. Meine Lider sind so schwer, dass ich sie nicht öffnen kann. Oder hat sie jemand zugeklebt? Und wenn schon. Im Augenblick möchte ich nur noch sterben. Ich bin unfähig darüber nachzudenken, was passiert ist. Mein Hirn fühlt sich an wie zu fest gewordener Wackelpudding. Keine Informationsweiterleitung möglich. Zumindest höre ich keine monotonen Piepgeräusche. Daher schließe ich Krankenhaus aus. Es sei denn, ich bin plötzlich ertaubt.

Mein Verdauungstrakt hingegen funktioniert noch einwandfrei, wenn auch in entgegengesetzter Richtung. Mein Magen rumort. Ein bittersaurer Geschmack steigt kriechend die Speiseröhre empor und reizt meinen Hals mit feinen Stichen. Ich sollte aufstehen, schauen, wo ich bin, eine Toilette oder wenigstens einen Eimer oder Blumentopf suchen.

Habe ich mich bewegt? Mein gesamter Körper schmerzt. Habe ich mir etwas gebrochen? Die Übelkeit nimmt zu.

Einatmen. Ausatmen. Ganz bewusst. Uh, eins kann ich sagen: Zu Hause bin ich nicht. Bei mir riecht es nicht derart steril.

Gar nicht gut. Dieser Desinfektionsgeruch beschleunigt die Magentätigkeit. Mein Körper beginnt zu würgen. Tapfer kämpfe ich dagegen an. Ich schaffe es, ein Auge zu öffnen. Gedämpftes Licht zeigt mir einen klinisch wirkenden Raum. Weiße Schränke und Tische mit Beinen aus Edelstahl. Ich erkenne Schubladen, Türen, doch keinen Anhaltspunkt dafür, wo ich mich befinde. Der nächste Angriff meines eigenen Körpers auf meine Beherrschung kommt derart überraschend, dass ich es gerade noch schaffe, mich zur Seite zu drehen. Würgegeräusche werden von faulig-saurem Geruch und leisem Klatschen begleitet.

Wie durch Watte nehme ich ein Klappern wahr. Gleich da­rauf spüre ich Hände in meinem Rücken. »Los, setz dich hin. Blick nach unten.«

Stöhnend schließe ich die Augen. Ich möchte mir nicht ansehen, was noch vor ein paar Stunden schmackhaft in meinen Magen gewandert ist.

»Tief durchatmen«, wird mir befohlen. Ganz schlechte Idee. Offenbar meint mein Körper heute Sommerschlussverkauf veranstalten zu müssen. Alles muss raus.

Dieses Mal wird mir ein Eimer hingehalten. »Kannst du den selbst festhalten?«

Keine Ahnung. Ich versuche es. Vermutlich reichlich grenzdebil grinse ich, als ich den Behälter fest umklammert halte.

»Besser?«

Ich blinzle und schaue in die Richtung der Stimme. »Hey … dich kenne ich doch«, erkläre ich geistreich. Der Typ zieht sich Latexhandschuhe über. Was wird das denn jetzt? Für irgendwelche Spielchen bin ich wahrlich nicht fit genug. Sollte er ebenfalls mitbekommen haben.

»Du bist das Schnuckelchen.«

Schnaubend hockt er sich hin und wischt mit einer Handvoll Papiertüchern den Boden. Meine Kotze. Allein der Anblick genügt, dass ich erneut würgen muss.

Blitzschnell steht er wieder neben mir, wirft die dreckigen Tücher und die Handschuhe in den Eimer.

»Ich sag dir jetzt mal was: Mein Name ist nicht ›Schnuckelchen‹. Auch nicht ›Süßer‹, ›Kleiner‹ oder ›Junge‹. Ich heiße Jaron und entgegen landläufiger Meinungen bin ich schon lange nicht mehr grün hinter den Ohren. Ich mag jung aussehen, aber ich habe die Dreißig bereits überschritten.«

»Wow«, entkommt es mir. Damit meine ich zum einen sein Auftreten sowie seine Fähigkeit, so viel in so kurzer Zeit zu sagen. Hinzu kommt die beneidenswerte Tatsache, dass das Alter offenbar einen großen Bogen um ihn macht. Nun, so griesgrämig wie er drauf ist, kann ich es verstehen.

»War's das?«

»Hm?«, mache ich.

Mit dem Blick deutet er zum Eimer. »Alles raus oder kommt noch was?«

»Ne, glaub, das war's.« Meine Stimme klingt rau. Die Säure des Erbrochenen reizt meinen Hals.

Wortlos nimmt er mir den Eimer ab und stellt ihn an die Seite. Allmählich wird mein Blick klarer. Ich sitze auf einer Art Liege. Neben mir steht eine zweite, die ebenfalls besetzt zu sein scheint, wenn man aufgrund eines großen Tuchs auch nicht sehen kann, was sich darauf befindet.

Fröstelnd schlinge ich die Arme um mich. »Kühl hier.«

Jaron nickt. »Notwendiges Übel.«

»Wo zum Geier sind wir?«

»Bei mir«, erklärt er knapp.

»Aha. Du lebst sehr spartanisch.«

Jaron verschränkt die Arme und hebt in einer abfällig wirkenden Geste eine Augenbraue. »Hinter der Mattscheibe gefällst du mir besser.«

Ich schlucke. Hat er mich etwa entführt? Ein verrückter Fan?

»Ich wohne natürlich nicht hier. Das ist mein Arbeitsplatz. Meine Wohnung befindet sich hier drüber.«

Noch einmal sehe ich mich um. »Als was arbeitet man denn in so einem Umfeld?«

»Ich bin Bestatter.«

Ich reiße die Augen auf. Meine Kinnlade kann ich noch gerade so vom Herabfallen abhalten. »Du machst Witze.«

Seufzend geht er einen Schritt zur Seite und hebt das Tuch über der Liege neben mir ein Stück an.

Ein bleiches Männergesicht kommt zum Vorschein.

»Gestatten. Das ist Herr Reinholz. Seine Beisetzung findet morgen statt.«

Blitzschnell springe ich auf, haste einige Schritte zurück, bis ich gegen einen Schrank pralle. »Was …?«

Hektisch deute ich in die Richtung der Liege. »Das … das … du … du hast mich neben eine Leiche gelegt?«

»Er ist sauber, keine Angst. Außerdem bist du zu schwer, um dich in meine Wohnung hochzuschleppen. Und da ich auf dich aufpassen musste, konnte ich auch genauso gut etwas arbeiten.«

»Aber … aber …« Hastig schaue ich erst nach links und dann nach rechts. Ich muss hier irgendwie herauskommen. Der Typ ist doch komplett irre. »Warum bin ich überhaupt hier?«

Jaron deckt den Toten wieder zu. »Ich habe dich umgehauen.«

»Wie bitte?« Na, ganz klasse. Er schlägt mich bewusstlos und gibt es auch noch zu. Dabei wirkt er so harmlos.

»Erinnerst du dich noch an irgendetwas von letzter Nacht?«

Tue ich nicht. Und zur Zeit will ich nur noch weg hier. Weg von dem Toten. Weg aus dieser Kälte.

»Du zitterst. Entschuldige. Lass uns nach oben gehen. Ich mach dir einen Tee und dann reden wir in Ruhe darüber, was passiert ist.«

Abwehrend hebe ich die Hände. »Nein, ich fahre einfach nach Hause. Ruf mir ein Taxi. Dann ist alles in Ordnung.« Hastig gehe ich auf die Tür zu. Bevor ich die Klinke ergreifen kann, übermannt mich erneut Übelkeit. Jarons stützender Arm kommt wie gerufen.

»Nicht so schnell. Du musst aufpassen. Außerdem sollst du die nächsten zweiundsiebzig Stunden nicht alleine sein.«

»Warum?«

»Weil du eine Gehirnerschütterung hast. Du warst im Krankenhaus. Erinnerst du dich wirklich nicht?«

Stumm schüttle ich den Kopf.

 

~*~*~

 

»Also, woran erinnerst du dich noch?«

Jaron stellt einen Becher mit dampfendem Kamillentee auf dem Couchtisch ab. Ich rümpfe die Nase. Ich mag keinen Tee, Kamille am wenigsten. Dennoch nehme ich anstandshalber einen Schluck.

Kurz überlege ich. Ich erinnere mich an Roland, der mir freudestrahlend verkündete, dass meine Bindung an meine Rolle in der beliebtesten Vorabendserie ab übernächstem Monat nicht mehr bestünde. Das ist seine Art zu sagen, dass die Produzenten meine zur Routine gewordene jährliche Bitte um Vertragsverlängerung abgelehnt haben. Dafür wäre ich jetzt frei, andere Arrangements anzunehmen. Ob ich dies überhaupt wollte, das wurde ich selbstverständlich nicht gefragt. Ich würde einen spektakulären Tod bekommen. Er verkündete dies, als sei es ein Privileg. Verdammtes Arschloch.

»Ich bin gefeuert worden und hab mich bei Ingo volllaufen lassen«, fasse ich grob meine Erinnerungen vom Vortag zusammen.

»Ingo?«

»Miss Charlotte«, erkläre ich und kann mir ein süffisantes Grinsen nicht verkneifen.

»Ah. Okay, und weiter?«

»Wie weiter?«

»Woran erinnerst du dich noch?«

Ich sehe verschwommene Bilder, doch keine klaren Erinnerungen. »Gesichter, Stimmen, ein dumpfer Schmerz.« Ich greife mir an die Stirn. Ein Stechen durchfährt meinen Schädel.

»Pass auf, du hast eine ordentliche Beule.«

Brummend puste ich in den Tee.

»Mehr nicht?«

Kopfschüttelnd sehe ich ihn an. Er zieht die Füße aufs Sofa und dreht sich zu mir.

»Also, du hast dich betrunken. Als du aus der Bar getorkelt bist, hast du deine Jacke vergessen. Ich bin dir hinterher. Doch du standest wohl direkt vor der Tür und ich habe dich umgehauen, sozusagen.«

Kurz lächelt er. Niedlich. In mir kribbelt es. Oh, ganz schlecht. Der Junge – Entschuldigung, Mann – ist geschätzt fünfzehn Jahre jünger als ich.

»Miss Charlotte hat nach ihrem hysterischen Anfall, weil du blutend dalagst, einen Krankenwagen gerufen. Da sie dich nicht begleiten konnte, habe ich das übernommen.«

Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Ingo ausgetickt ist.

»Die haben dich einfach so mitfahren lassen?« Meines Wissens nach ist das nicht anstandslos möglich.

»Na ja, ich hab denen erzählt, wir wären ein Paar.« Schulterzuckend stützt er seinen Kopf auf dem angewinkelten Arm ab.

»Und das haben die dir geglaubt?«

»Miss Charlotte und die anderen haben es bestätigt.«

Na, die können sich auf etwas gefasst machen. Schließlich hätte Jaron auch ein Dieb oder sonstiger Betrüger sein können.

»Das hättest du nicht tun müssen«, erwidere ich lapidar. Zudem komme ich mir seltsam entblößt vor. Ein wildfremder Typ fährt mit mir ins Krankenhaus. Ich will mir gar nicht vorstellen, was er jetzt alles von mir weiß oder gesehen hat.

»Doch, natürlich. Schließlich war es meine Schuld. Außerdem habe ich zur Zeit genug Arbeit«, erklärt er süffisant grinsend. Mein Hirn ist noch nicht wieder so fit, dass ich die Anspielung dahinter sofort verstehe. Doch dann fällt mir sein Beruf wieder ein.

»Ha, ha«, mache ich trocken und nehme einen weiteren Schluck Tee, um mein Unbehagen zu überspielen. Die Befürchtung, er sei doch nur ein verrückter Fan, schwindet nicht. Vielleicht hat er mir ja bei Ingo etwas ins Getränk getan? Und dann hinterher absichtlich k. o. geschlagen. Wer weiß, was er mit mir da unten in dem Leichenkeller vorhatte? Wer weiß, was in diesem Tee ist?

Langsam und hoffentlich unauffällig stelle ich den Tee auf den Tisch.

»Und warum bin ich jetzt hier? Warum nicht im Krankenhaus?«

Jarons Grinsen wird eine Spur überheblich. »Das solltest du eigentlich auch. Aber du bist noch während der Untersuchungen wieder wach geworden und hast einen riesigen Aufstand gemacht. Du wolltest auf keinen Fall dortbleiben.«

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Aber es stimmt, dass ich Krankenhäuser nicht leiden kann. Vor allem seit ich dort hautnah den Tod meiner Großeltern miterleben musste.

»Erst als ich versprach, dich wieder mitzunehmen, hast du dich beruhigt.« Er zuckt mit den Schultern. »Auf dem Heimweg bist du dann eingeschlafen und nichts konnte dich wecken.«

»Wie hast du mich aus dem Auto bekommen?« Mir kommt das alles immer noch unwirklich vor.

Sein Mundwinkel zuckt. »Ich habe die passende Ausrüstung da, um leblose Körper zu transportieren.«

»Du hast mich auf so einem Leichendings hier reingebracht?« Ich muss hier weg. So schnell wie möglich. Szenen von Hannibal Lecter schwirren vor meinem geistigen Auge he­rum. Okay, ganz ruhig bleiben. Bloß nichts anmerken lassen. Ich strecke mich und hoffe, dass ich so anmutig wirke, wie ich es gerne hätte, und stehe langsam auf.

»Ich danke dir …« Mein Kopf pocht unangenehm bei dem Versuch, mich an seinen Namen zu erinnern. »… Jaron.« Ich warte kurz ab. Da er nicht zuckt, wird es wohl der richtige sein. Mich würde ja mal interessieren, wie er zu diesem Namen kommt. Andererseits möchte ich einfach nur noch hier raus.

»Aber ich denke, es ist das Beste, wenn ich nach Hause fahre.«

»Nein.« Die Strenge und Bestimmtheit in seiner Stimme lässt mich zusammenzucken. Ich schlucke. Jetzt nur keine Panik bekommen. Alles wird gut.

Ha, ha. Ja, berühmte letzte Worte …

Ich besinne mich auf meine schauspielerischen Fähigkeiten und lächle entspannt. »Nein, wirklich. Es geht mir schon viel besser. Außerdem wohnt meine Schwester gleich neben mir. Sie kann sich also um mich kümmern, sollte etwas passieren.«

Jaron mustert mich eine ganze Weile. Schließlich nickt er langsam. »Okay, aber ich fahre dich.«

»Ein Taxi reicht mir.«

Doch er ignoriert meinen Einwand. Ist etwa doch etwas in dem Tee gewesen und er wartet auf die Wirkung? Ich fürchte, Ingo hat recht, wenn er behauptet, ich werde immer paranoider.


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